Seth Davies ist ein amerikanischer professioneller Pokerspieler, der sich in den letzten Jahren an der Spitze der High-Roller-Szene etabliert hat. Bekannt wurde er vor allem durch große Welttournee-Serien: Er gewann den Titel bei der World Poker Tour Canadian Spring Championship 2016 und sicherte sich 2025 sein erstes WSOP-Bracelet, als er das 250.000$ Super High Roller für 4.752.551$ gewann. In seiner Karriere hat er bereits über 44$ Millionen in Live-Turnieren erspielt.
Vom Millionen-Minus zum besten Festival der Karriere
In das Jahr 2025 startete er vorbereitet. Er behauptet, das beste Poker seines Lebens gespielt zu haben – maximal fokussiert, stark in Live-Reads, Tischdynamik und in Details, die sich nicht mit Solver berechnen lassen. Das Ergebnis? Ein Verlust von etwa 1,3$ Millionen gleich zu Beginn einer großen Serie. Obwohl er sogar etwa 350.000$ cashte, lagen die Buy-ins bei etwa 1,6$ bis 1,7$ Millionen. Das ist die Mathematik der High-Stakes-Turniere – du kannst ausgezeichnet spielen und trotzdem tief im Minus sein.
Etwas später bei der EPT Monte Carlo erreichte er den dritten Platz im €100K Event und dann folgte der Trip, der das ganze Jahr definierte – Triton Montenegro. Davies gewann das $50K No Limit Hold’em für etwa 1,5$ Millionen und holte sich seinen ersten Triton-Titel. Kurz darauf wurde er Zweiter im $200K Invitational für ganze 4,2$ Millionen. Dazu fügte er auch noch einen weiteren zweiten Platz im $30K PLO hinzu. Innerhalb weniger Wochen entwickelte sich sein Profit bis zu sechs Millionen Dollar. Solch eine Phase erlebt nur selten ein High-Stakes-Profi.

WSOP: $250K Super High Roller und erstes Bracelet
Nach der Rückkehr nach Vegas folgte direkt eine weitere Welle des Erfolges. Ein Final Table im $250K Super High Roller bei der WSOP und der Sieg für weitere unglaubliche 4,8$ Millionen. Innerhalb von etwa sechs Wochen verzeichnete er zwei Gewinne von über 4$ Millionen und weiteren siebenstelligen Gewinnen. Insgesamt handelte es sich um einen etwa 10$-Millionen-Upswing in extrem kurzer Zeit.
Turnierpoker hat eine spezifische Payout-Struktur. Lange Stagnationsphasen und dann ein plötzlicher Aufschwung. Davies beschreibt es genau so – langsamer Fall und dann plötzliches Aufsteigen in den „Weltraum“.
Zweite Jahreshälfte: der schlimmste Downswing der Karriere
Nach der Euphorie kam die harte Realität. Die zweite Hälfte der Saison 2025 brachte den schlimmsten Downswing seiner Karriere. Er spielte Buy-ins von etwa 3,5$ Millionen und cashte nur rund 100.000$. Barcelona, eine weitere Triton Series, nordamerikanische Events, WSOP Bahamas. Die Ergebnisse blieben aus. Zudem lief es auch bei seinen Swap-Partnern schlecht, was den Druck noch zusätzlich verstärkte.

Interessant ist jedoch, dass er mental keinen Zusammenbruch erlebte. In High-Stakes-Turnieren treffen 90% des Feldes dieselben Entscheidungen. Der Vorteil entsteht in den restlichen 10% – in der Vorbereitung, Konzentration und den Details. Wenn ein Spieler dem Gedanken verfällt, dass „nur Glück entscheidet“, hört er auf, ein Profi zu sein.
High-Stakes-Grinding vergleicht er mit extremer Erschöpfung – lange Serien, Schlafmangel, hormonelle Schwankungen, Euphorie und Frustration. Gerade in diesen Momenten entstehe laut ihm der wirkliche Unterschied zwischen der Elite und dem Rest des Feldes.
7 Millionen in Buy-ins, 12 Millionen in Cashes
Die Saison 2025 schloss er mit mehr als 7$ Millionen in Buy-ins und über 12$ Millionen in Cashes ab. Dieses Jahr war voller Gegensätze und Extreme – zwei der größten Gewinne seiner Karriere, der erste Triton-Titel, das erste WSOP-Bracelet– und zugleich der härteste Downswing, den er je erlebt hat.
Ein Jahr, das alle Extreme des Turnierpokers zeigte. Euphorie, Frustration und die Erkenntnis, dass die größten Kämpfe nicht gegen Gegner geführt werden, sondern im Kopf. High-Stakes-Poker ist ein langfristiges Spiel. Die Varianz braucht Zeit. Doch die Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten Profi zu bleiben, entscheidet darüber, wer sich langfristig an der Spitze hält.
Quellen – YouTube, PokerNews, TritonPoker, Flickr/WPT