Historischer Präzedenzfall? WSOP-Sanktionen nach Affäre – kein Bracelet für Sieger

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Vor wenigen Tagen stand die Pokerwelt im Bann eines außergewöhnlichen und umstrittenen Heads-up´s beim WSOP Event #53 Millionaire Maker (1.500$ Buy-in, 11.996 Entries). James Carroll ging mit einem nahezu uneinholbaren 10:1-Chipvorteil gegen Jesse Yaginuma ins Duell, doch Yaginuma gelang ein spektakuläres Comeback und drehte das Match. Zu einem pikanten Zeitpunkt: Seine potenzielle Siegprämie enthielt neben dem regulären Preispool auch einen Millionen-Bonus von ClubWPT Gold, wo sich Yaginuma für das Turnier qualifiziert hatte.

Schon während des Livestreams fielen vielen Zuschauern seltsame Moves auf. Carroll schien bereitwillig Hände zu verlieren, verzichtete auf Value Bets mit starken Händen und überließ Yaginuma immer wieder die Initiative. Experten und Community sprachen schnell von klassischem Chip Dumping – also dem absichtlichen Verschieben von Chips an einen anderen Spieler – was die WSOP sofort zu einer offiziellen Untersuchung veranlasste.


Historische Entscheidung
 

Nach vier Tagen intensiver Prüfung verkündete die WSOP via offiziellen Tweet: „Die Untersuchungen zum Event 53 sind beendet. Um die Integrität des Spiels zu wahren, wird in diesem Jahr kein Sieger anerkannt und kein Bracelet vergeben. Der verbleibende Preispool wird zwischen den beiden Finalisten aufgeteilt.“ Wie genau der Preispool gesplittet wird, veröffentlichte die WSOP nicht – es spricht aber alles dafür, dass die Summe gleichmäßig aufgeteilt wird (1.133.750$ pro Spieler).

Im offiziellen WSOP-Regelbuch ist Chip Dumping eindeutig als eine Form von Kollusion definiert – das bewusste Übertragen von Chips zwischen Spielern – und damit strikt verboten. Auch wenn im Heads-up nur zwei Spieler am Tisch sitzen, gelten diese Regeln uneingeschränkt weiter. Jede Abmachung zwischen den Teilnehmern wird als klarer Verstoß gegen die Spielintegrität gewertet. Die Konsequenz: Die WSOP erklärte das Event für annulliert, teilt den Preispool zwischen beiden Finalisten – und das Bracelet wird nicht vergeben.


Reaktionen auf den historischen Präzedenzfall
 

Eine solche Entscheidung hat es in der Geschichte der WSOP wirklich noch nie gegeben. Klar, dass diese Maßnahme die Poker-Community spaltet. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt die Pokerplattform ClubWPT Gold: Sie besteht darauf, dass der Millionen-Bonus für Yaginuma trotz allem ausgezahlt wird.

Deine eigene Meinung zum Spiel kannst du dir hier aus dem Livestream bilden
 

Insbesondere auf Plattform X (vormals Twitter) wurde nach dem Statement heftig diskutiert: Soll ein Spieler, der nicht offiziell als Sieger geführt wird und kein Bracelet bekommt, dennoch in den Genuss eines Bonus kommen? Einige machen die Veranstalter von ClubWPT Gold und WSOP für die ganze Situation verantwortlich – schließlich hätten ihre Promo-Aktionen solche Konstellationen erst möglich gemacht, jetzt aber werden die betroffenen Spieler sanktioniert, weil sie das Angebot wahrgenommen haben.

Die ganze Pokerszene fragt sich nun, wie sich diese Entscheidung auf zukünftige Affiliate-Programme, Partnerschaften und das Verhalten der Spieler im Heads-up angesichts lukrativer Boni auswirken wird. Was meinst du zur Entwicklung: Hat die WSOP richtig gehandelt? Sollte der Millionen-Bonus trotz des Skandals fließen?

 

Quellen – WSOP, PokerNews, X, Poker.org