Alex Kulev im GTO Lab Podcast: Was du für den Sprung in die High Stakes ändern musst

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Alex Kulev gehört zu den Spielern, deren Name in der High Stakes Community relativ schnell bekannt wurde. Im GTO Lab Podcast mit Jonathan Jaffe spricht er über den Weg, der ihn in kurzer Zeit von Online-Turnieren mit niedrigen Buy-ins bis in die High Roller-Bereiche führte. Das Gespräch geht allerdings nicht um Zahlen oder konkrete Ergebnisse, sondern darum, was sich im Denken des Spielers ändern muss, damit ein solcher Übergang überhaupt Sinn ergibt.

Fortschritt ohne Ziel-Fixierung

Kulev gibt offen zu, dass High Stakes nie sein ursprüngliches Ziel waren. Er dachte nicht in konkreten Buy-ins oder Statusebenen. Sein Antrieb war das Spiel selbst und die Besessenheit, sich zu verbessern. Dieser Ansatz ermöglichte ihm Fortschritte ohne den Druck von Erwartungen, die Spieler oft bremsen, bevor sie höhere Ebenen erreichen.

Im Interview wird deutlich: Wenn das Ziel nur „höher zu spielen“ ist, trifft der Spieler Entscheidungen, die mit langfristigem Wachstum nichts zu tun haben. Echter Fortschritt entsteht, wenn er ein Nebenprodukt systematischer Arbeit ist.

Ein Hauptthema des Podcasts ist die Arbeit mit Solvern. Kulev betont, dass der Solver für ihn nie die Autorität war, der man blind folgen sollte. Er dient ihm als Werkzeug, um Muster und Logik des Entscheidens zu verstehen, nicht als Handbuch für spezifische Situationen. Wenn ein Spieler nicht versteht, warum der Solver bestimmte Linien bevorzugt, wird sein Studium schnell zum bloßen Auswendiglernen ohne echten Transfer ins Spiel. In der High Stakes Umgebung, wo sich Situationen ständig ändern und Gegner sich schnell anpassen, ist dieser Ansatz unhaltbar.

Aggression mit klarem Zweck

Kulev ist bekannt für seinen aggressiven Stil, aber im Podcast erklärt er, dass Aggression an sich nicht das Ziel ist. Entscheidend ist der Kontext – gegen wen man spielt, welche Tendenzen der Gegner hat und wie sich die Entscheidung auf zukünftige Streets und Konfrontationen auswirkt.

In der High Roller Umgebung trifft Kulev regelmäßig auf die gleichen Spieler. Meta-Game, Image am Tisch und schnelle Anpassungen der Strategie erhalten so zentrale Bedeutung. Das Interview zeigt, dass technische Kenntnisse ohne die Fähigkeit, die Dynamik des Feldes zu lesen, rasch an Wert verlieren. Kulev warnt, dass Spieler, die den Meta-Aspekt des Spiels ignorieren, durchschaubar werden. Und in einer Umgebung, wo Fehler sofort bestraft werden, ist das ein ernstes Problem.

Mentale Vorbereitung und Nachhaltigkeit

Viel Raum im Gespräch nimmt auch die mentale Seite des Spiels ein. Kulev beschreibt Routinen während der Pausen, körperliche Bewegung, das bewusste Abschalten vom Spiel nach Sessions und die Notwendigkeit, die Pokeridentität vom persönlichen Leben zu trennen. Ohne diese Fähigkeit überträgt sich die Intensität der High Stakes auch abseits des Tisches und führt zu Burnout.

Das Gespräch zeigt zudem, dass die Freiheit, die Poker bietet, zweischneidig ist. Ohne Disziplin im Umgang mit Zeit, Energie und Emotionen wird sie schnell zum Problem. Das Interview bietet so einen realistischen Blick auf den Übergang von Low Stakes zu High Stakes, ohne ihn zu romantisieren. Es zeigt, dass nicht einzelne Gewinne oder die Geschwindigkeit des Fortschritts entscheidend sind, sondern die Veränderung des Denkens, die Arbeit am Prozess und die Fähigkeit, sich langfristig anzupassen.

 

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Quellen – Podcast GTO Lab, Flickr, PokerNews